Hannes Arch

Kunstflug-Pilot

* 1967   † 2016

 

Lebenslauf

Hannes Arch wurde am 22. September 1967 in Leoben geboren. Er wuchs in Trofaiach auf, wo ihm bereits zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt worden ist. Schon im Alter von 15 Jahren machte er seinen ersten Alleinflug in einem Hängegleiter. Er absolvierte die Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer. Arch kletterte schwerste Routen wie etwa am legendären El Capitan im Yosemite-Nationalpark. Im Jahre 1997 wurde er bei der allerersten inoffiziell ausgetragenen Weltmeisterschaft für Gleitschirm-Akrobatik in der Schweiz sogleich Weltmeister.

2008 Weltmeister der Red Bull Air Race Series, 3 Mal Vizeweltmeister, Base Jumper

Als Kunstflug-Pilot gewann er in der Saison 2008 den Weltmeistertitel der Red Bull Air Race Series. Drei Mal wurde er Vizeweltmeister. Zudem machte er sich als Base Jumper einen Namen. Im Jahre 2000 wagte er einen solchen gemeinsam mit Ueli Gegenschatz von der Eiger Nordwand, drei Jahre später führte er einen solchen von der Matterhorn Nordwand durch.

Interview für Sport aktiv vom 14.4.2015, Hannes Arch …

… über sein Leben als Air Race Pilot

“Die Karriere eines Air Race Piloten kannst du dir nicht auf die Wunschliste schreiben. Es ist das Leben, das dich dorthin treiben muss, und dafür bedarf es einiger Grundvoraussetzungen. Du musst eine Passion für das freie Fliegen haben, das übrigens nicht viel mit dem Fliegen in einem Linienflugzeug zu tun hat, in dem man irgendwelche Knöpfe drückt. Du musst die Bewegung in der Luft annehmen, den sportlichen Zugang zum Fliegen finden.

Zum Beispiel beim Paragliden. Hier spürst du das Fluggerät, und so hat es auch bei mir begonnen. Ich war in der Entwicklung tätig, habe an Weltcups teilgenommen und irgendwann den logischen Schritt zum Kunstflug gemacht. Dann war ich zur rechten Zeit am rechten Ort und habe heute das Privileg, Air Race Pilot zu sein.”

… über das Trainieren von mentaler Stärke

“Mentale Stärke besteht immer aus zwei Faktoren. Erst einmal musst du wissen, wo du zuhause bist. Was dir die Sicherheit gibt, dieses Spiel hier zu rechtfertigen. Du kannst deine Seele nicht überlisten, du musst wirklich bei dir sein. Nur so wirst du zu hundert Prozent hinter dem stehen, was du tust, und keine Fragen mehr stellen. Das ist die Basis deiner Stärke. Und dann kannst du diese Stärke noch weiter trainieren – mit Übungen, die deinen Geist auf den Punkt bringen. Du kannst dich ganz gezielt runterholen, wenn du nervös bist. Und hochholen, wenn du dich abgeschlagen fühlst.

Mit Bildern kann ich meinen Geist aktivieren und meinen Körper einstellen. Diese Bilder sind persönlich, darüber redet man nicht. Mir hat ein Mentaltrainer dabei geholfen, meine Persönlichkeit zu analysieren und herauszufinden, auf was ich reagiere. Das ist wie eine große Kiste, in der du wühlen kannst und die richtigen Bilder raussuchst. Mit diesen trainierst du dann, dich in Stimmungen zu versetzen. Je mehr du übst, desto stärker wirst du darin. Das ist kein Hokuspokus. Es sind Hausaufgaben, die du erledigen musst, um zum perfekten Zeitpunkt voll angreifen zu können.”

... über die Beschäftigung mit dem Risiko

“Der Antrieb, so etwas zu tun (Anm.: base jump von der Eiger Nordwand), ist ein extrem bejahender Zugang zum Leben. Ich möchte mich immer weiterentwickeln. Ich will spüren, wozu ich in der Lage bin. Und wenn du dieses Vorhaben Jahr für Jahr vorantreibst, dann landest du irgendwann ganz automatisch bei riskanten Aktivitäten. Aber ich beschäftigte mich so intensiv mit dem Risiko, dass ich am Ende kaum noch eines eingehe. Sonst würde ich nicht springen. Ich suche das Risiko, bin aber keinesfalls risikofreudig.

Ich reduziere das Risiko so weit wie möglich und lerne dabei, was ich mit meinem Körper und meinem Geist erreichen kann. Kolumbus hat seine Erfüllung in Amerika gefunden. Ein Maler findet seine Erfüllung in der Kunst. Und ich finde meine beim Air Race oder Base Jumping.

Wenn jemand ein Leben ohne jegliches Risiko nicht als langweilig empfindet, dann ist das auch vollkommen okay. Aber ich habe eben herausfinden dürfen, was wirklich wichtig für mich ist. Und wenn du das getan hast, gibt es keine Alternative mehr. Jedenfalls nicht, wenn du konsequent bist – und ehrlich zu dir selbst.”

Interview für redbulletin, Hannes Arch …

… über den Spagat von Unternehmertum und Sportler-Dasein

“Ich war eigentlich ja schon immer Unternehmer. Früher hat sich für meine Sportarten niemand interessiert und man musste sich selbst um das Marketing und Business kümmern. Heute würde es mich auch nicht mehr befriedigen, nur in der Rennmaschine zu sitzen. Mir taugt es, ein Team aufzubauen und Marketingstrategien umzusetzen. Ausgehen tut sich das aber nur, wenn man es wirklich lebt, wenn man mit einer Idee ins Bett geht und auch wieder damit aufwacht. Das Wichtige ist, dass du lernst zu switchen. Ich sitzte im Büro bei einem Meeting, weiß aber, in zehn Minuten muss ich zum Flieger rüberlaufen und dann bin ich wieder voll im Sport.”

… über das, was er als seinen Beruf betrachtet

“Ich habe immer den Sport als Beruf gesehen. Von dem geht alles aus, er motiviert mich – aber richtig getrennt habe ich das nie. Selbst im Flugzeug ist Management gefragt. Du musst dich mit dem Luftraum, dem Wetter und dem Risiko beschäftigen. Du kannst beides mit den gleichen Grundsätzen und Wertvorstellungen erfolgreich betreiben.”

… darüber, was für ihn einen guten Unternehmer ausmacht

“Dass er nicht vor dem Risiko davonläuft, sondern den richtigen Umgang damit pflegt und sich damit auseinandersetzt. Wenn ich über die Straße gehe und weiß, wie gefährlich das ist, dann bin ich schon safe. Aber wenn ich nichts darüber weiß – bumm. Dann passiert plötzlich etwas, weil ich mich nicht damit beschäftigt habe. In dem Moment, wo ich weiß, dass etwas gefährlich ist, ist die Gefahr eigentlich schon gebannt.”

Tod in Folge von Hubschrauberabsturz

Am 8. September 2016 ist Hannes Arch mit seinem Hubschrauber in den Hohen Tauern tödlich verunglückt. Er hatte eine Flugtransportfirma betrieben und sich auf die Versorgung hochalpiner Hütten spezialisiert. Er flog mit seinem Hubschrauber zur Elberfelderhütte in der Schobergruppe (2.400 Meter Seehöhe). Gegen 21.15 Uhr startete er den Hubschrauber, um zum Flughafen in Salzburg zurück zu kehren. Der Hubschrauber muss eine knappe Minute nach dem Start talauswärts auf der rechten Seite gegen eine Felswand gekracht und in eine steile Felsrinne abgestürzt sein.
Arch war sofort tot. Ein aus Deutschland stammender 62-jährige Wart der Elberfelderhütte, der mit an Bord war, überlebte mit schweren Verletzungen.

Der Red bull - Konzern reagierte mit Bestürzung auf den Tod von Hannes Arch

“Mit großer Betroffenheit haben wir vom tödlichen Unfall unseres langjährigen und engen Freundes erfahren. Hannes war seit 25 Jahren Teil der Red-Bull-Familie, galt als großartiger Alpinist, lebensfroher Abenteurer und erfolgreicher Red-Bull-Air-Race-Pilot. Wir werden seine Warmherzigkeit, Offenheit, seinen Sinn für Humor und seine unbändige Energie sehr vermissen.“

Große Anteilnahme in Trofaiach

In Trofaiach, seinem Heimatort, herrschte in der Bevölkerung nach dem Bekanntwerden des Todes von Hannes Arch große Anteilnahme. Die Bürgerinnen und Bürger von Trofaiach begaben sich an einem Freitag-Vormittag nur wenige Stunden nach dem Unglück zum Denkmal, das ihr bekannter Mitbürger schon zu Lebzeiten in seiner Heimatstadt bekommen hat: Handabdrücke und eine Unterschrift in Beton, eingelassen auf dem Hauptplatz der obersteirischen Kleinstadt. Bald entstand ein Kerzenmeer im Gedenken an Hannes Arch.

Berührende Worte von Pfarrer Johannes Freitag

"Der Hannes hätt’ noch so viel geben können. Es ist ein Leid. Da haben Eltern ihr Kind, eine Schwester ihren Bruder verloren. Dieses öffentliche Schicksal steht für viele, die nicht bekannt werden.”

A tribute to Hannes Arch

Weblinks

Wir erinnern uns

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Erinnerung von Jacqueline   16.10.2016

Ich traf Hannes bei der Leistungsschau in Krumbach am 1. Mai 2014. Dort sah ich ihn das erste Mal vor meinen Augen fliegen. Dies war so atemberaubend. Ich durfte sogar ein Foto von ihm und mir machen und bekam ein Autogramm. Das war der schönste Tag meines Lebens. Als ich dann am Freitag (09.09.2016) davon gehört habe, war ich sehr schockiert und auch traurig. Unfassbar, dass ein normaler Helikopterflug einem Kunstflugpiloten zum Verhängnis wird. Um ehrlich zu sein, vermisse ich ihn, wie als wäre jemand von meinen Verwandten gestorben. Es tut weh.